Eine zweite Meinung einholen (Überarbeitung Teil 2)

So, im letzten Artikel haben wir uns damit befasst, wie aus einem schlechten ersten Entwurf ein guter zweiter Entwurf werden kann. Und jetzt? Das Buch ist fertig und kann ab ins Lektorat? Ich höre deine Antwort schon aus der Ferne: Nein! Denn es ist noch lange nicht Das Beste, das du daraus hervorholen kannst. Es muss noch mehr überarbeitet werden. 

Überarbeiten ist wie ein Referat gegliedert: Vom Großen ins Kleine. Mit dem zweiten Entwurf magst du die großen Fehler ausgebessert haben, aber um die kleinen zu entdecken, reicht oft der Autor nicht aus. Oder sollte ich besser sagen: Vor allem nicht der Autor, denn er ist so subjektiv, dass ihm manche Fehler und Schwächen immer entgehen werden. Und da kann er sich noch so sehr bemühen, Abstand vom Manuskript zu gewinnen, objektiv wird er niemals sein. 

Deshalb brauchen wir eine zweite Meinung. Am besten noch eine dritte und vierte und fünfte. Das Geheimnis: Betaleser.

Was machen Betaleser? Nun, sie geben dir auf freiwilliger Basis die Meinung eines Leser in Form von ehrlicher und konstruktiver Kritik. Die beiden Adjektive sind wichtig, damit du a) keine leeren Lobpreisungen erhältst, die dir im Grunde nichts nutzen, und b)die Kritik auch annehmen und damit arbeiten kannst. Eine konstruktive Meinung ist immer eine höfliche, begründete Meinung, ganz wie man sie eben in einer gepflegten Gesellschaft vorfindet.

Betaleser lesen dein Manuskript durch und geben dir ihre subjektive Meinung (die für dich objektiv ist, weil es die Leser sind) zum Plot und zu den Charakteren. Es bleibt dir überlassen, inwiefern du ihre Kritik anwendest, aber allgemein solltest du erstmal nichts ablehnen, nur weil es dir missfällt. Meistens ist es dann sehr wichtig. 

Betaleser müssen keine literarische Ausbildung haben, sondern einfach nur Spaß am (bewussten) Lesen. Tipps, wie du Betaleser findest, geben wir dir in diesem Artikel.

Allgemein können Betaleser auf viele Sachen achten, darunter:

  1. literarische Ansicht (wie liest sich das Buch als Probeleser?)
  2. Rechtschreibung und Grammatik
  3. Logik/Plot
  4. Gesamtbild (Charaktere, Handlung, Formatierung…)

Wirklich, den Betalesern sind keine Grenzen gesetzt, aber um es ihnen leichter zu machen,  kannst du ihnen einen Fragebogen erstellen mit Dingen, die dir besonders wichtig sind. 

So sieht mein Fragebogen zu TOD2 aus:

0. Was ist dein Gesamteindruck?

1. Charaktere:

– Waren alle Charaktere authentisch/dreidimensional? Oder hat dich etwas an ihrem Verhalten gestört? Sind sie interessant genug? Warum ja/nein?

– Wen magst du am meisten und warum?

– Wen magst du am wenigsten und warum?

– Hattest du mit den Charakteren (vor allem Laire) eine emotionale Verbindung? Hast du mit ihnen mitgefühlt? Konntest du dich mit ihnen identifizieren? Warum ja/nein?

2. Handlung:

– Welche Szenen fandest du spannend und warum?

– Welche Szene hat dich gelangweilt und warum?

– Welche Szene ist am meisten hängen geblieben/hast du besonders gemocht und warum?

– Gab es unnötige Szenen, die nichts zur Handlung beigetragen haben? Welche und warum?

– Welche Fragen haben sich dir gestellt, welche wurden beantwortet und welche bleiben offen?

3. Sonstiges:

– Hat dich etwas verwirrt? Warum?

– Hat dich etwas genervt? Warum?

– Wie viel hast du vom Vertrag und dem Vertragsbruch verstanden?

– Was ist deinem Verständnis nach Jillin?

– Was ist deinem Verständnis nach am Ende passiert?

– Hast du irgendwelche Vorhersagen?

– 0-10 Sterne, wie viel bekommt das Buch? Gern im Vergleich zum ersten Band.

– Würdest du die Fortsetzung lesen? Würdest du sie probelesen?

– Hast du sonstige Anmerkungen?

Natürlich verändert sich der Fragebogen mit den Büchern und mit der Zeit, deswegen nagele dich am besten an keinem fest. 

Sobald dir die Betaleser ihr Feedback geschickt haben, kannst du es sammeln, notfalls genauer nachhaken und übersichtlich ordnen, sodass du weißt, wie du den zweiten Entwurf verbessert. Und voila, nach einigen Wochen oder Monaten, je nachdem wie viel Zeit du hast, ist der dritte Entwurf entstanden. Diesen kannst du wieder Lesern geben, wobei es dir überlassen bleibt, ob du ihn wieder den Betalesern schickst oder anderen.

Ich handhabe es so, dass ich jeden Entwurf an unterschiedliche Leser weiterleite, damit sich niemand langweilt oder gezwungen fühlt. Für den zweiten Entwurf habe ich drei bis vier Betaleser und für den dritten ein bis zwei Gammaleser. Von letzteren hole ich wieder Feedback ein, bevor es an den vierten und, in der Regel, letzten Entwurf geht. 

Wie du damit deiner Geschichte den letzten Schliff verleihst, erfährst du im nächsten Artikel. 

Jetzt bist du dran: Wie arbeitest du mit deinen Probelesern bzw. Betalesern zusammen? Hast du auch einen Fragebogen für sie, oder interviewst du sie nach dem Lesen? Schreiben sie vielleicht sogar in dein Manuskript Kommentare?

2 Replies to “Eine zweite Meinung einholen (Überarbeitung Teil 2)”

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