Fantasy-Bücher: Man liebt sie oder geht ihnen aus dem Weg. Wer ihnen abgeneigt ist, begründet dies damit, dass sie voll ausgedachtem Unsinn wären, zu fiktional und weit hergeholt. Kurzum, zu wenig mit der Realität verknüpft. Das ist die eine Seite von Fantasy, die andere liebt Fantasy wegen desselben Arguments: Eben weil Fantasy realitätsfern ist, wäre sie verlockend.
Cassandra Clare, die Autorin der Schattenjäger-Bücher, äußerte sich dazu mit den Worten: „Viele, viele Jahre lang hoffte ich, dass sich Magie und Zauberei als echt herausstellen. Deswegen liebe ich Bücher, in denen Magie in unserer Welt ist und sich dann als wahr entpuppt. Ich stelle mir dann immer vor, wie großartig das wäre.“ (Quelle)
Auch der Erschaffer von Game of Thrones, George RR Martin, bekundete seine Liebe zu Fantasy: „Fantasy ist Silber und Scharlachrot, Indigo und Azur, Obsidian durchzogen von Gold und Lapislazuli. Die Realität ist Sperrholz und Plastik, aufgearbeitet in Schlammbraun und trostlosem Grau. Fantasy schmeckt nach Habanero und Honig, Zimt und Nelken, seltenem rotem Fleisch und Weinen so süß wie der Sommer. Die Wirklichkeit ist Bohnen und Tofu, und Asche am Ende. (…) Wir lesen Fantasy, um die Farben wiederzufinden, denke ich. Um intensive Gewürze zu schmecken und die Lieder von Sirenen zu hören. In Fantasy lebt etwas Altes und Wahres, das zu etwas tief in uns spricht, zum Kind, das davon träumte, eines Nachts in Wäldern zu jagen und unter den hohlen Bergen zu speisen und ewige Liebe zu finden, irgendwo südlich von Oz und nördlich von Shangri-La. Die anderen können ihren Himmel behalten. Wenn ich sterbe, gehe ich lieber nach Mittelerde.“ (Quelle)
Wir lesen Fantasy, um unterhalten zu werden, entführt in fremde Welten. Dasselbe gilt für das Schreiben von Fantasy. Allerdings müssen Autoren ein wichtiges Detail beachten: Die Magie muss nicht nur Spaß machen, sondern auch zum Roman passen, zur Handlung beitragen.
Was meine ich damit?
Man stelle sich einen Roman vor, in dem der Protagonist mit der Gabe gesegnet ist, aus Äpfeln Kuschelhäschen zu zaubern. Sein Ziel ist es, eine feindliche Weltraumbasis zu zerstören, die einen wertvollen Ressource-Planeten ausbeutet. Außer man denkt ähnlich wie Douglas Adams, hilft die Magie in diesem Fall nicht dem Protagonisten bei seiner Aufgabe, allen voran deshalb, weil im Weltraum keine Äpfel wachsen.
Die Magie muss also in irgendeinem Zusammenhang mit der Handlung stehen. Beispiele: Dämonenjäger malen sich Runen auf die Haut, mit denen sie Dämonen bekämpfen können. Zauberer lernen Zaubersprüche, mit denen sie sich gegenseitig bekriegen können. Ein Alien hat eine Raum- und Zeitreisemaschine, mit der er das Universum erkunden kann.
Wie man allein bei den Beispielen merkt, wird der Großteil der Magie zum Kämpfen eingesetzt. Die Menschen sind kreativ genug, um sich mit allen Mitteln dieser Welt zu bekämpfen, deshalb haben Fantasyautoren eine große Auswahl, wenn sie nach Kampfmagie suchen. Elemente, Zauberformeln, Voodoo? Das alles eignet sich hervorragend, um Schaden zuzufügen.
Allerdings muss man aufpassen, nicht die Magiesysteme von anderen zu wiederholen. Das passiert häufig mit Elementen. Überleg doch mal, in wie vielen Büchern und Filmen Elementmagie vorkommen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo sich der Leser bewusst von einem Buch abwendet, weil der Klappentext Elementmagie erwähnt. Das Ziel eines jeden Fantasyautoren sollte es also sein, originell zu sein. Selbst wenn du ein Elementmagiesystem planst, solltest du irgendein originelles Detail einbauen. Beispiel Der Prinz des Drachen: Es gibt sechs Urquellen, aus denen man Magie beziehen kann, und zwar Sonne, Mond, Sterne, Erde, Himmel und Ozean. Allerdings haben Menschen keinen Zugriff darauf, weshalb sie auf Dunkle Magie zurückgreifen, mit der immer ein Preis einhergeht.
Originell zu sein ist schwer. Hauptsächlich deswegen, weil man unmöglich alle bereits existierenden Magiesystems dieser Welt kennen und verstehen kann, nur um dann ein eigenes, neues Konzept zu erfinden. Allerdings ist immer eine Annäherung möglich. Man braucht nicht alles zu wissen, nur das meiste. Allwissenheit ist eine Utopie, aber womöglich schaffen wir es in Writenia, uns zusammen einen Überblick zu erarbeiten. Im Folgenden versuche ich, Kategorien zu erstellen und ihnen einige Magiesysteme zuzuordnen. Wenn dir Ergänzungen einfallen, bitte schreib diese in einen Kommentar, damit ich die Liste ergänzen kann. So können wir gemeinsam der Originalität ein Stück näher rücken.
Göttliche Magie: Oft reicht nur ein Fingerschnipsen aus, manchmal ist sogar ein bloßer Gedanke gefragt. (Supernatural, Lucifer, Good Omens, Percy Jackson, Kernstaub)
Sprachmagie: Eine Zauberformel in einer fremden, bevorzugt alten und selten gesprochenen Sprache wird zum Zaubern benötigt. (Harry Potter, Eragon, Shades of Magic, Merlin)
Bewegungsmagie: Die Magie lässt sich nur mit einer bestimmten Bewegung oder einer Choreografie erzeugen, beliebt auch in Kombination mit einer anderen Kategorie wie Sprachmagie. (Avatar, Harry Potter, The OA)
Elementmagie: Häufig dienen dem Magier die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft, den fancy Magiern auch noch der Äther. (Skulduggery Pleasant, Der Prinz des Drachen, Grisha)
Metallmagie: Man kann Metalle formen oder sie verstärken die Magie. (Mistborn, Grisha)
Farbmagie: Aus den Farben lässt sich Magie ziehen. (Schwarzes Prisma)
Runenmagie: Bestimmte Zeichen fördern bestimmte Magie zutage. (Schattenjägerwelt)
Blutmagie: Ein Opfer ist gefragt, um die Magie auszuüben, egal ob von der eigenen Person oder einem unschuldigen Mitmenschen. (Supernatural, Narnia, Game of Thrones)
Außerirdische/Technologische Magie: Grenzt stark an Science Fiction und ist schwer zu definieren, weil man nicht weiß, wo die Wissenschaft aufhört und die Fantasie beginnt. (Doctor Who, Ghostbusters, Herr der Diebe, Rubinrot, Obsidian)
Talentmagie: Bestimmte Menschen können bestimmte Dinge und sie verraten nicht, wie es funktioniert oder woher es kommt. Oft gibt es einen biologischen Zusammenhang. (The Umbrella Academy, Grisha, Tintenherz)
Objektmagie: Hauptsächlich wegen eines magischen Artefakts ist Zaubern möglich. Beliebt sind Zauberstäbe. (Harry Potter, Herr der Ringe)
Das wären also einige Arten von Magie. Sie lässt sich noch in andere Kategorien unterteilen, die mindestens genauso spannend zu untersuchen sind und für Autoren unsagbar nützlich, meiner Meinung nach. Man kann zwischen angeborener Magie und erlernter Magie unterscheiden, außerdem lässt sie sich in ihren Regeln unterteilen, also ob Regeln erklärt werden oder ob es schwammig bleibt. Brandon Sanderson nennt das „hard magic“ und „soft magic“. Beliebte Regeln lauten:
Magie hat immer einen Preis.
Magie erfordert viel Konzentration und Übung.
In den folgenden Teilen zu Magiesystemen werde ich auf diese Kategorien einzeln eingehen und anschließend vorhandene Magiesysteme zu analysieren, um ein wenig Praxis in die Theorie zu bringen.
Jetzt bist du dran: In welche Kategorien kann man Magie noch unterteilen? Nach welchen Kriterien entwirfst du dein Magiesystem? Welche Magiesysteme kennst du noch und fehlen in obiger Liste?

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