Ein Schreibratgeber nur fürs Plotten – sowas läuft mir selten über den Weg, aber dank Mia bin ich darauf aufmerksam geworden und hab es mir sofort unter den Nagel gerissen, als ich mal wieder in einer Schreibkrise feststeckte und dachte, dass ich nur Müll produziere (Was nicht stimmt, liebes Ich, keine Sorge, das gilt auch für all die anderen Schreiberlinge da draußen…). “The Ten Day Outline: A Writer´s Guide to planning a novel in ten days” von Lewis Jorstad ist der erste Teil einer Ratgeberreihe, in der er Autoren durch die Tücken des Schreibleben begleitet.
Ich wollte ihn für TOD3 ausprobieren, weil mir beim Plotten ein System fehlte und er dahingehend vielversprechend klang. In zehn Tagen soll man sich eine Outline erarbeiten können, wobei man jeden Tag circa zwei Stunden daran arbeitet, gegen Ende auch länger, insbesondere an den Tagen 7 und 8.
Jetzt drängt sich bestimmt die Frage auf, ob diese Zeitangaben korrekt sind. Die Antwort: Ja. Ich konnte zwar nicht jeden Tag daran arbeiten, weil mir manchmal die Zeit oder die Energie gefehlt hat, und manche Tage habe ich auf mehrere verteilt, weil meine Konzentration irgendwann nachgelassen hat, aber im Normalfall (das heißt, wenn man mehrere Tage Urlaub und einen stabilen mentalen Zustand hat) kommt man mit den Angaben hin.
In den ersten drei Tagen brainstormt man sehr viel. Es ist alles Vorarbeit, die ins fertige Produkt einfließt und auf die nicht verzichtet werden kann, trotzdem kam ich mir manchmal nur semi-produktiv vor — was aber nichts Schlechtes ist, denn auf diese Weise war es auch nicht so anstrengend. Besonders gut hat mir Tag 3 gefallen, an dem man zehn Fragen aufschreibt, die einem beim Durchlesen der Prämisse in den Sinn kommen. Für jede Frage überlegt man sich zwei Antworten – die erste ist wohl diejenige, über die man nicht lange nachdenken musste und daher dem Klischee entspricht, und die zweite ist dafür die um die Ecke gedachte. Auf die Antworten kann man wiederum Fragen stellen, auf die man zwei Antworten gibt, und immer so weiter, bis man zufrieden ist … das Buch empfiehlt jedoch nur zwei Durchgänge, sonst verfängt man sich in einem ewigen Frage-Antworten-Strudel.
In den darauffolgenden Tagen arbeitet man viel mit Karteikarten. Das hat mich an unseren Artikel “Die Puzzlemethode” erinnert, und es funktioniert auch ähnlich. Das Ziel ist es, sich mit den Karteikarten den Zeitstrahl der Geschichte aufzubauen, Szene für Szene, und am Ende, spätestens an Tag 9 oder 10, hat man einen detaillierten Zeitstrahl, an dem man sich entlanghangeln kann. Allerdings habe ich mich bewusst dagegen entschieden, indem ich ab Tag 8 nur die erste Hälfte so ausführlich geplottet habe, denn ich bin eben immer noch ein wenig ein Pantser und brauche meinen Freiraum. Sobald ich die erste Hälfte geschrieben habe, werde ich Tag 8 bis 10 auf die zweite Hälfte anwenden. Aber auch so, nur halbfertig, habe ich das Gefühl, die gesamte Geschichte schon ziemlich gut zu kennen.
Ein Tag wird Charakteren gewidmet, was ich eigentlich zu wenig Zeit finde, weil Charaktere, genau wie gute Ideen, erst reifen müssen. Vor und/oder nach den zehn Tagen sollte man sich also zusätzlich ausführlich Zeit für sie nehmen. Für mich war der eine Tag okay, weil es sich bei TOD3 um ein Sequel handelt, da kenne ich die Hauptcharaktere schon auswendig und auch die Nebenfiguren waren größtenteils klar. Dank des Buchs konnte ich mir jedoch eine kleine Übersicht über sie anfertigen, was nochmal mehr Struktur in die Geschichte gebracht hat.
Allgemein ist “The Ten Day Outline” sehr detailreich und informativ, sogar Bilder sind enthalten. In Zukunft werde ich wohl noch öfter darauf zurückkommen, wenn ich mal wieder nicht weiß, wie ich ein Buch plotten soll.
Jetzt bist du dran: Was ist dein Lieblingsschritt beim Plotten? Das Brainstorming, die Planung oder etwas ganz anderes? Verrate es uns in den Kommentaren; wir freuen uns, von dir zu lesen!
