In Schottland sind die Dämonen los…

… und Dämonenjäger Jericho March steckt mittendrin. Du willst nicht nur eine (spoilerfreie) Rezension zu diesem Buch, sondern auch wissen, wie die Autorin darin schriftstellerische Techniken umsetzt? Dann bleib dran, bei der Rezension von Jericho March: Die Spinne von Syke von Leann Porter.

Als Leann Porter im Oktober einen Aufruf für Blogger startete, die vorab ihr neustes Buch lesen und rezensieren sollen, konnte ich nicht Nein sagen. Ich habe eine Schwäche für Schottland und Dämonen, und beides zusammen ist meine Waffeln mit Eiscreme und Schokolade. Die Spinne von Skye ist der erste Band einer Serie, von der die erste Staffel sechs Folgen umfassen wird.

Ich bin ein Neuling im Gebiet Buchserien und kannte bisher nur vom Hören-Sagen die Serie Das Königreich der Träume von I. Reen Bow. Typischweise umfassen die einzelnen Bände (sogenannte “Folgen”) einer Buchserie zwischen 100 und 150 Seiten und erscheinen innerhalb kurzer Zeit nacheinander als E-Books. Erst die Sammelbände, die mehrere Folgen vereinen, kann man ins Regal stellen.

Der Auftakt zu Jericho March spielt im Jahre 2052, oder im 33. Jahr nach dem Wandel. 2019 öffnete sich nämlich das erste Loch zwischen den Dimensionen, das sowohl Magie als auch gefährliche Dämonen auf die Erde ließ. Eine neue Welt entstand, in der die Gesellschaft versuchte, sich so gut wie möglich an die plötzlich auftauchenden Dimensionslöcher anzupassen.

Jericho March, unser Protagonist in der ersten Folge, ist ein grummeliger Dämonenjäger mit einem Hang zu brutalen Methoden. Vor einem Jahr wurde seine Schwester Clara von einem Incubus ermordet. Er wird auf die schottische Insel Syke geschickt, wo sich vor kurzem ein Dimensionsloch geöffnet hat. Dort soll er eigentlich nur einen widerspenstigen Sohn zurückholen, aber stattdessen verstrickt er sich in die Angelegenheiten der dortigen Magier und stolpert über den ein oder anderen Todesfall…

Das Wichtigste vorweg: Ich fand das Buch sehr gut. Man konnte es flüssig lesen und die Charaktere erschienen allesamt authentisch und dreidimensional. Besonders mochte ich die realitätsnahe wörtliche Rede und die Art der Autorin, strikt dem roten Faden zu folgen. Dadurch nahm die Spannung keine Sekunde lang ab und man war zusammen mit Jericho mitten im Geschehen, auf der Spur nach dem Dämon, der die Form einer ekligen Riesenspinne trägt. An der richtigen Adresse sind hier: Zum einen Leser von Thrillern und Krimis, zum anderen Fans von Schottland und Dämonenjägern, Supernatural, Stalking Jack the Ripper und Dystopien.

Jetzt folgt der spoilernde Abschnitt der Buchrezension. Ich werde mir einige Schreibtechniken, die Leann Porter anwendet, genauer anschauen und aufzeigen, wie genau sie in Die Spinne von Skye zum Ausdruck kommen.

Also, ACHTUNG SPOILER!

Der Spannungsbogen:

Beim ersten Kapitel musste ich sofort an eine Supernatural-Folge denken. Zwei Personen machen einen Camping-Ausflug, sie streiten sich ein bisschen, machen herum, und plötzlich hören sie ein Geräusch. Sie schrecken auf, sehen die Spinne und nehmen Reißaus. Jemand stirbt, Cut, nächstes Kapitel, diesmal mit dem Protagonisten. Diesen Aufbau liebe ich, weil hier gleich von Vornherein das Monster vorgestellt und dadurch Spannung aufgebaut wird. Danach nimmt zwar der nichtsahnende Protagonist die Bühne ein, aber die Spannung bleibt im Hintergrund, weil man darauf wartet, was er unternehmen wird, wenn er von dem Vorfall aus dem Vorspann erfährt. Dadurch, dass die Autorin sich nicht mit langweiligen Übergängen aufhält, in denen der Protagonist erst von Punkt A zu Punkt B kommen muss, sondern in der einen Szene bei Punkt A, in der nächsten bereits bei Punkt B ist, will man beim Lesen auch keine Pause einlegen, weil man wissen will, wie es weitergeht. Kurzum, man wird fortgehend unterhalten.

Die Handlungsstränge:

Im Vordergrund steht natürlich die Handlung um die Spinne von Syke, also den Dämonen, den es zur Strecke zu bringen gilt, und das dazugehörige Dimensionsloch, das geschlossen werden muss. Damit verknüpft ist die Handlung der örtlichen Magiergruppe, wegen der das Dimensionsloch überhaupt erst entstanden ist. Diese beiden Handlungsstränge entfalten sich über die erste Folge, aber führen auch zu einem Ende, das heißt, sie werden in den kommenden Folgen vermutlich nicht mehr explizit auf den Handlungsplan treten. Dafür sind zwei andere Handlungen, die in der ersten Folge nur bruchstückhaft aufgetreten sind, für die zweite Folge wichtig: Einmal die Beziehung zu Islay, welchen Jericho eigentlich zu seinem Vater zurückbringen soll, aber in den sich stattdessen verguckt, und außerdem die Morde des Incubus’, der auch Jerichos Schwester Clara getötet hat. Am Ende der ersten Folge wird klar, dass Islay und der Incubus zukünftig eine wichtige Rolle spielen werden.

Die wörtliche Rede:

Die Dialoge wirken deshalb so realistisch, weil die Charaktere weder auf grammatikalische Korrektheit noch auf klare Aussagen achten, ganz genau wie wir im richtigen Leben (der Alptraum von Deutschlehrern). Dadurch kommt es manchmal zu Missverständnissen oder angespannten Situationen. Außerdem gebrauchen die Charaktere Anspielungen, Ironie und Ausdrücke, wodurch ihren Stimmen ein noch klarerer Ton verliehen wird. Hier einige Beispiele aus dem ersten Kapitel:

„Kannst du das Ding mal weglegen?“

(“das Ding” statt “dein Handy”)

„Hier steht übrigens noch was ganz anderes.“

(Anspielung auf seine Erregtheit)

„Ist bestimmt ein Ast, der sich irgendwo verfangen hat.“

(unvollständiger Satzbau)

„Fuck, das musst du dir ansehen!“

(Ausdruck)

Allein durch diese vier Sätze wird man schon ins Geschehen reingezogen, finde ich. Du auch? 😉

Die In-World Sprache:

Jericho March ist ein Dämonenjäger im Auftrag von SAW, der Spezialeinheit für Außerdimensionale Wesenheiten. Wie in jeder Einrichtung der Regierung geht es hier recht bürokratisch zu, und was benutzen Bürokraten so oft wie Influencer ihre Instagram-App? Richtig, Abkürzungen. Im Text fallen massenhaft Abkürzungen wie AW, FW, TS, TZ und LSAW. Alle Bedeutungen dieser Kürzel kennen wir als Normalsterbliche auch, nur als andere Wörter. AW nennen wir Dämon, FW nennen wir Fabelwesen, und LSAW Dämonenjäger. Glücklicherweise befindet sich im Buch ein Glossar, das alle Kürzel auflistet und übersetzt. Doch die Kürzel sind notwendig, damit das Buch die richtige Atmosphäre bekommt.

Cliffhanger:

Normalerweise wird davon abgeraten, am Ende eines ersten Bandes einen allzu großen Cliffhanger zu schreiben. Man soll natürlich wissen wollen, wie es weitergeht, aber dadurch, dass man für gewöhnlich ein ganzes Jahr lang auf den Folgeband warten muss, geht die Spannung ohnehin verloren und wenn sich der durchschnittliche Leser nach einem Jahr daran zurückerinnert, weiß er nur noch, wie unbefriedigend das Ende war. Leann Porter baut am Ende von Die Spinne von Skye einen, für mich zumindest, riesigen Cliffhanger ein, aber dadurch, dass man nur einen Monat auf den Folgeband warten muss, erhält sich die Spannung und man freut sich nur noch mehr darauf, endlich weiterzulesen. Ein Hoch auf Serien!

Jetzt bist du dran: Was ist dir beim Lesen des Buchs aufgefallen? Wenn du es noch nicht gelesen hast, planst du es zu tun? Was zieht dich an dem Buch an?  

Bildergebnis für jericho march die spinne von skye

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