5 Tipps, wie du einen Spannungsbogen aufbaust!

Wir wollen heute gar nicht lange um den heißen Brei herumreden. Alles Wichtige steht im Titel. Und jetzt: Los!

#1 Sei unvorhersehbar!

Leser sind es gewohnt, dass am Ende einer Geschichte der Protagonist gewinnt und der Antagonist verliert. Sie wissen, dass der Konflikt, wie auch immer er aufgebaut ist, am Ende erfolgreich aufgelöst wird und es ein Happy End gibt. 

Aber was, wenn es nicht so ist? 

Diesen Gedanken solltest du dem Leser vermitteln. Zeig ihm, dass der Protagonist bei dir nicht so sicher ist, wie er denkt. So wird es gleich viel spannender, ob er den nächsten Kampf unversehrt überlebt oder nicht. George RR Martin hat das ganz großartig gemacht, finde ich. (ACHTUNG SPOILER: Game of Thrones Staffel/Buch 1) Von Anfang an wird dem Leser der Eindruck vermittelt, dass Ned Stark der Gute ist, der Protagonist der Geschichte. Er treibt die Dinge voran, er hat die richtige moralische Einstellung. Aber dann! Er stirbt. Ein Schock für die gesamte Leserschaft. Damit wird klar, dass bei Martin niemand sicher ist — seien wir ehrlich, diese Unverhersehbarkeit macht einen großen Teil vom Erfolg von Game of Thrones aus. Es gibt keine Garantie, dass das Gute am Ende siegt.

#2 Hohe Einsätze

Oder zu englisch: High stakes. Der Protagonist kämpft (ob mit oder ohne Waffen) immer für ein Ziel, sei es den Drachen zu besiegen, nach Hause zurückzukehren oder über seine Depression hinwegzukommen. Währenddessen steht immer etwas auf dem Spiel, etwas, das den Kampf nötig und ein etwaiges Scheitern alptraumhaft macht. Wenn er den Drachen nicht besiegt, stirbt sein Dorf. Wenn er nicht nach Hause zurückkehrt, ist er inmitten der Fremde verloren, wenn er nicht über seine Depression hinwegkommt, begeht er vielleicht Suizid. Das, was auf dem Spiel steht, muss einen großen Wert sowohl für den Protagonisten selbst haben, als auch für den Leser. Denn: Wenn der Leser mitfühlt, dann hat der Autor gewonnen. Wenn uns Frodo, seine Gefährten und Mittelerde egal gewesen wären, wäre die Geschichte langweilig und wir würden das Buch nach drei Kapiteln weglegen. 

#3 Geheimnisse

Eine spannende Geschichte lebt von Geheimnissen, das sieht man allein an einem Thriller oder einem Krimi, oder einem Mystery-Buch allgemein. Viele Autoren sind es gewohnt, so viel zu erklären wie möglich, weil sie Angst haben, ihre Leser wären sonst verwirrt oder etwas wäre Unverständlich oder falsch herübergebracht. Allerdings muss man damit aufpassen, zum einen weil man Infodumps vermeiden will, zum anderen, weil man gewisse Dinge vom Leser zurückhalten WILL. Geheimnisse, besonders welche, die den zukünftigen Lauf der Geschichte beeinflussen, sind wichtig, und sollten so gut wie möglich in die Geschichte eingestreut werden, ohne sie zu früh oder zu spät zu lüften oder offensichtlich zu machen. Oft ist ein Red Herring gut, um von der richtigen Lösung abzulenken. 

#4 Foreshadowing

Ein gutes Buch macht, dass der Leser nach der letzten Seite das Gefühl hat, sein Gehirn würde explodieren, weil alle Zutaten (Geheimnisse, High Stakes, Plottwists etc.) in den richtigen Mengen hinzugegeben worden sind. Außerdem blättert er das Buch nochmal von vorne nach hinten durch, weil er jetzt erst ein paar Details versteht, die er damals als unwichtig überlesen hat, also unwichtig erscheinende, oft irreführende oder komische Hinweise, die der Autor bewusst eingestreut hat, um auf die Auflösung des Konflikts hinzuweisen. Das nennt sich foreshadowing: Wenn der Konflikt praktisch “im Vorhinein” einen “Schatten wirft”. Das trägt zur Spannung bei, weil dem Leser die Hinweise zwar auffallen, er aber nichts damit anzufangen weiß. Er beginnt, herumzurätseln, kommt aber ohne den Fortlauf der Geschichte nicht auf die Lösung. Also muss er weiterlesen, genau das, was wir wollen.

Einige Beispiele (die natürlich Spoiler enthalten):

-“Hunting Prince Dracula” von Kerri Maniscalco: Die Freundin von Audrey Rose verkündet, dass sie jetzt ein Bad nimmt. An sich nichts Verdächtiges, jedenfalls wenn es in der realen Welt geschieht. ABER in einem Buch werden nur wichtige Dinge erwähnt, sonst würde ja jede Geschichte so lang sein wie “Herr der Ringe” insgesamt. Und oh Wunder, später entpuppt sie sich als Mörderin, die im Blut ihrer Opfern badet. Foreshadowing on point.

-“Die Unglaublichen”: Die Figuren betonen so oft, dass das Baby keine Superkraft hat, dass man es ihnen kaum noch abkaufen kann. Und tatsächlich, am Ende des Films entpuppt sich das Baby als Gestaltswandler. In diesem Fall erleben wir als Zuschauer umgekehrtes Foreshadowing: Es wird von einem Zustand ausgegangen, von dem aber das Gegenteil eintritt.

-“Locke and Key: Staffel 1”: Es wird erwähnt, dass man mit dem Gestaltschlüssel jede Gestalt annehmen kann. Und was passiert am Ende der Staffel? Die Antagonistin verwandelt eine Unschuldige so, dass diese wie sie selbst aussieht. So halten die Kinder die Unschuldige für die Antagonistin und verbannen sie, ohne zu ahnen, dass der wahre Feind noch da draußen ist.
Hätte sie den Gestaltschlüssel angewendet, ohne dass sein Verwendungszweck davor erklärt werden würde, hätte er wie ein Deus ex machina gewirkt.

Gibt es kein Foreshadowing, nennt man das “deus ex machina”, zu deutsch, “maschineller Gott” – also Dinge, die aus dem Nichts heraus geschehen oder auftauchen, weil der Autor sonst den Konflikt nicht lösen könnte. Sowas sollte man vermeiden.

Foreshadowing kann man als Autor gut bei der Überarbeitung einbauen — beim schnellen ersten Entwurf ist das eigentlich fast unmöglich, außer man hat eine verdammt gute Outline.

#5 Das Finale

Es ist der krönende Abschluss eines Spannungsbogen. Hier kommt alles zusammen, und die Spannung, die man auf den vorherigen 300 Seiten aufgebaut hat, muss hier gekonnt ihren Höhepunkt finden. Bei einem Finale gibt es vieles zu beachten, es darf zum Beispiel nicht zu lang- oder kurzatmig sein, aber generell muss das Gefühl des Autoren darüber entscheiden, wie das Finale abgewickelt wird. Auch das wird wahrscheinlich erst in der Überarbeitung näher an die Perfektion gebracht, weil man beim ersten Entwurf noch gar nicht den Überblick über die Tragweite und den Spannungsaufbau der einzelnen Geschehnisse hat. Erst beim nochmaligen Lesen wird einem sowas klar.

Jetzt bist du dran: Wie baust du einen Spannungsbogen auf? Instinktiv oder nach einem Plan?

2 Replies to “5 Tipps, wie du einen Spannungsbogen aufbaust!”

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