Der letzte Schliff (Überarbeitung Teil 3)

In den letzten Artikeln der Reihe haben wir uns mit dem zweiten und dritten Entwurf deines Manuskripts befasst – also mit den ersten beiden Überarbeitungsschritten, inklusive Beta- und Gammaleser. Hier kommt ihr zum vorherigen Teil der Artikelreihe.

Heute beschäftigten wir uns mit dem vierten Entwurf, der, wenn alles gut läuft, der letzte sein wird. Hier kommt es darauf an, dem Manuskript den letzten Schliff zu leihen, die Fehler in allen Bereichen der Kunst auszumerzen. 

Dafür habe ich einen Plan mit fünf Punkten erstellt. Jeder Punkt benötigt es, das Manuskript von Anfang bis Ende durchzulesen, aber jedes Mal auf verschiedene Punkte bzw. Bereiche zu achten (das heißt, du kannst dabei auch manche Passagen überfliegen, die für diesen und jenen Punkt gerade bedeutungslos sind). 

Der 5-Punkte-Plan schaut wie folgt aus: 

  1. Plot und Charaktere prüfen
  2. Beschreibungen:
    1. Nebencharaktere
    2. Orte
    3. Show don´t tell
  3. Dialoge und Pausen
  4. Schreibstil:
    1. Adverben
    2. figurative Sprache
    3. Emotionales
    4. Subjektive Erzähltechnik
    5. Aktiv
    6. Positiv
  5. Kontrolllesen: Spannung?

Das sieht erstmal schön und gut aus, aber worum geht es bei jedem Punkt überhaupt? Tipp: Um nicht durcheinander zu kommen, kannst du die Signalwörter in unterschiedlichen Farben anstreichen. Sieht auch schöner aus 😉

1. Plot und Charaktere: Hier stellst du sicher, dass die Logik eingehalten wird. Folgt der Plot einem klaren Muster? Folgt Reaktion auf Aktion? Erscheint irgendwas willkürlich? Sind die Charaktere authentisch? Macht ihre Entwicklung Sinn?

2. Beschreibungen: Hier stellst du sicher, dass du alles zu Genüge beschreibst. Mir sind dabei vor allem die obigen drei Punkte wichtig. Sind deine Nebencharaktere kurz und knapp, aber ausreichend beschrieben? (Dazu findest du auch HIER einen Artikel.) Kann man sich unter deinen Ortsbeschreibungen etwas vorstellen? (Tipp: Kurze, aber lebendige Ortsbeschreibungen erlangst du, wenn du zwei bis drei Details von dem Ort gibst und dabei die Sinne benutzt.) Sind sie vielleicht zu ausführlich? Verwendest du, wenn passend, show don´t tell? (Tipp: Beschreibe ein Objekt nicht als wunderschön oder bezaubernd, weil das subjektive Adjektive sind. Beschreibe stattdessen, warum du sie persönlich wunderschön oder bezaubernd nennen würdest.)

3. Dialoge: Hier schaust du dir nur die Dialoge an, am besten, indem du sie laut vorliest. Denn es geht um Authentizität. Sie sollten möglichst lebensnah und nicht gestelzt wirken. Wo man automatisch eine Sprechpause machst, kannst du auch deinen Charakteren eine Pause geben, zum Beispiel indem sie sich eine Strähne zurückstreichen oder nachdenken.

4. Schreibstil: Hier liest du auch am besten laut vor, wenn du dir unschlüssig bist, ob es gut klingt. Ist dein Text voller Adverben? Wenn ja, kannst du sie durch ein stärkeres Verb ersetzen? Verwendest du Bildersprache, sodass sich der Leser leichter etwas vorstellen kann? Wie zeigst du Gefühle? Nur durch körperliches Empfinden (z.B ein heißer Klumpen Wut im Magen) oder auch durch Handlungen (z.B. Die Tür zuknallen)? Überschreibst du manch Emotionales zu sehr? Manchmal sind Andeutungen besser. Falls du mehrere Charakterperspektiven schreibst: Hat jeder seine eigene Erzähltechnik? Klingt der Text je nach Charakter anders?

5. Spannung: Hier liest du den viermal überarbeiteten Text Kontrolle, um dich näherungsweise als normaler Leser zu fühlen. Lesern sind vor allem Spannung wichtig, deshalb frage dich beim Lesen: Fiebere ich mit? Sind Geheimnisse manchmal zu schnell enthüllt? (HIER findest du einen passenden Artikel dazu.) Tipp: Verändere bei diesem letzten Kontrolllesen doch mal die Schriftart. So banal es auch klingt, es hilft dabei, den Text weniger als Autor sondern als Leser zu lesen.

Und schon bist du mit der Überarbeitung fertig! Wenn du sichergehen willst, dass du wirklich das Beste daraus gemacht hast, kannst du es noch einem Probeleser geben, der es als ganz normales Buch lesen soll. An seiner Reaktion erkennst du, ob es dir gelungen ist. Natürlich sollte er dein Genre und Thema mögen 😉

Jetzt bist du dran: Wie lange brauchst du normalerweise mit der ganzen Überarbeitung? Oder ist das von Buch zu Buch unterschiedlich?

– Eileen

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