Kill your darlings – was ist das?

Oft liest man in Schreibratgebern oder hört von anderen Autoren den Ausdruck “Kill your darlings” – also “Töte deine Lieblinge”. Das ist ein Ratschlag zur Verbesserung deines Romans, keine Mordaufforderung im echten Leben. Was es damit auf sich hat, klären wir heute auf.

Kill your Darlings ist nicht für den ersten Entwurf deines Buchs, also die Rohfassung gedacht, denn darin kannst du dich noch so viel austoben, wie du willst. Erst, wenn es an die Überarbeitung geht, solltest du den Ratschlag im Hinterkopf behalten. Dann, wenn du darüber entscheiden musst, was im Manuskript bleiben kann und was in den “Deleted Scenes”- Ordner wandern muss. Kill your Darlings heißt nämlich genau das, was alle Autoren fürchten: Dass man seine Lieblinge in den eigenen Büchern töten soll. 

Das darf man natürlich nicht allgemein fassen, denn es gibt auch gute Lieblinge, aber die meisten sind überflüssig. Schau dir die Szenen oder Charaktere, die du besonders magst, genau an und frage dich, welchen Nutzen sie erfüllen. Treiben sie die Geschichte voran? Helfen sie dem Hauptcharakter auf irgendeine wichtige Weise? Bringen sie einen bedeutenden Aspekt in die Geschichte ein? Tun sie irgendetwas, außer schön auszusehen und nett daherzureden? Wenn du eine dieser Fragen mit Nein beantwortet hast, solltest du diesen Liebling radikal streichen – wenn du dich wirklich nicht davon trennen kannst, sprich mit einem Testleser darüber, lass diesen darüberlesen und dich beraten, ob du es vielleicht so weit abändern kannst, dass es drinnen bleiben kann.

Bei den ersten Malen fiel es mir verdammt schwer, den Ratschlag anzuwenden, denn ich mochte meine Lieblinge viel zu sehr, um mich von ihnen zu verabschieden. Ich dachte mir, das sei einer dieser Ratschläge, die zwar existieren, aber denen man keine Beachtung schenken muss – so wie das Zustimmen von AGBs. Aber als meine Testleser über diese und jene Szene unsicher waren, habe ich begonnen, genauer darüber nachzudenken. Mir ging auf, dass Leser ein Buch lesen, um von einer (spannenden) Geschichte unterhalten zu werden, nicht um schöne, aber sinnlose Sätze zu lesen. Sie kaufen ein Buch und erwarten davon etwas, und ich als Autor habe die Pflicht, diese Erwartung zu meinen besten Fähigkeiten zu erfüllen. Dieser Zusammenhang ist eigentlich klar, muss aber vielen Autoren trotzdem erst wirklich bewusst werden. 

Seitdem  wende ich mich besonders gern den Dingen in meinen Büchern zu, die ich mag, und hinterfrage sie so lange, bis ich sie entweder gestrichen habe oder ich mir sicher bin, dass sie ihre Existenzberechtigung haben. 

Jetzt bist du dran: Hast du schonmal von “Kill your Darlings” gehört oder es sogar angewandt? Wie erging es dir damit?

– Eileen

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