Schreibratgeber “Schreiben für Film und Serie”

Hast du schonmal versucht, ein Drehbuch zu schreiben? Ich habe es, und es ist mehr oder weniger erfolgreich gelaufen. Dabei habe ich erkannt, dass sich Drehbuch und Roman grundlegend voneinander entscheiden. Ist ja eigentlich auch klar, wenn man genauer darüber nachdenkt: Ein Roman ist das ganze Werk, während das Drehbuch nur die Basis für ein größeres Projekt (den Film) ist. 

Glücklicherweise haben sie trotz aller Unterschiede eine Gemeinsamkeit: Schreibratgeber. Was im Ratgeber für Drehbücher empfohlen wird, kann man auch im Roman anwenden. Kürzlich habe ich “Schreiben für Film und Serie” von Benjamin Benedict gelesen, und auch wenn es sich sehr wie ein langer Essay liest, ist es sehr informativ.

Abgesehen von einem ansprechenden Cover und dem hinreißenden Gefühl des Buchs, wenn man es in der Hand hält (rau, aus Karton, mit abgerundeten Ecken), begeistert das Inhaltsverzeichnis mit einer Fülle von Kapiteln. Eingeteilt ist es in fünf Oberkapitel:

  1. Elemente der Geschichte
  2. Figuren
  3. Elemente des Drehbuchs
  4. Bauform der Erzählung – Struktur
  5. Techniken der Erzählung

Der Drehbuch-Ratgeber ist insofern anders als andere Schreibratgeber, weil er das Schreiben wie eine Technik behandelt, bei der es auf Minimalismus ankommt: So wenige Details angeben, mit so viel Wirkung wie möglich. Alles Unnötige wird weggestrichen. Ein Konzept, das generell auch auf Romane zutrifft, aber einen größeren Interpretationsspielraum hat. Im Drehbuch ist alles unnötig, was keine Bedeutung für die Geschichte hat – das ganze Team an Filmleuten muss wissen, welche Details umgesetzt werden müssen, schließlich müssen sie finanziell erworben und möglich gemacht werden. Während du also in einem Roman schreiben kannst, dass die Figur A hüftlanges, blondes Haar mit porzellanfarbener Haut und einem Schmollmund hat, noch dazu Ohrringe, Armbänder, und Diamantketten trägt (cringe), reicht es fürs Drehbuch, wenn du sagst, wie die Person wirkt, denn jemanden zu casten, der genau auf deine Beschreibung passt, ist Utopie. Ähnliches gilt für den Schmuck: Er muss den Beschreibungen nach besorgt werden. 

Anders verhält es sich, wenn es für die Geschichte wichtig ist, dass die Figur auf eine gewisse Weise aussieht und diesen und jenen Schmuck trägt – noch besser, wenn dadurch ihr Hintergrund gezeigt wird, dass sie z.B. aus reichen Verhältnissen kommt, und deswegen einen besonderen Charakterzug hat. 

Ein Romanautor kann mit dem Ratgeber also durchaus etwas über Minimalismus lernen.

Besonders gelungen finde ich die Kapitel über Figuren. Sie und ihre Dialoge tragen das Drehbuch, anders als im Roman, wo Beschreibungen genauso sehr zur Geschichte beitragen. In zehn Kapiteln gibt uns der Ratgeber Tipps zur Persönlichkeitsbildung einer Figur, mitsamt physischer & psychologischer, dem sozialen Status und der Hintergrundgeschichte, und darüber hinaus führt er Techniken auf, wie man den ersten Auftritten von Figuren Kraft verleihen kann.

Auch die Struktur war ein interessantes Thema – in Romanworten, die Plotmethode. In der Welt kursieren so viele Theorien darüber, wie man eine Geschichte am besten aufbaut, sei es über die Schneeflocken-, die Fünf-Akt-Methode oder das Plotembryo. Der Ratgeber stellt eine Methode vor, die ich noch nicht kannte: Die Unterteilung in acht Sequenzen, am Beispiel von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung.

Alle vorgestellten Theorien verbindet der Ratgeber mit Beispielen aus Film und Fernsehen, darunter Downton Abbey, die Sopranos und Star Wars. Dadurch war es mir an einigen Stellen zu detailreich, aber wen es interessiert, wird sich daran nicht stören. 

Jetzt bist du dran: Hast du schonmal ein Drehbuch gelesen? Warst du darauf vorbereitet, wie anders es sich zu einem Roman verhält? (Jemand hätte mich warnen sollen, bevor ich “Harry Potter and the Cursed Child” gelesen habe…)

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